Autor: maja

  • Tag 1: Aufregung, Autobahn und Ankunft am Thiersee

    Samstag, 29. August 2026

    Der erste Tag unserer Reise ist geschafft – und der hatte es gleich in sich.

    Um 5:00 Uhr morgens war ich schon wach, obwohl ich eigentlich noch ein bisschen hätte schlafen können. Aber an Schlaf war sowieso nicht mehr zu denken: Unsere Hündin Gina war schon ab 4 Uhr morgens hellwach und total flippig, ist durch die Wohnung getigert und konnte einfach nicht stillhalten. Ganz offensichtlich hatte sie Angst, dass sie am Ende nicht mitkommen könnte, und ist deshalb keine Sekunde von meiner Seite gewichen. Man merkt eben doch, wie sehr sich so ein Ausnahmezustand auf alle im Haus überträgt, auch auf die Vierbeiner.

    Nach dem letzten Check der Taschen, dem finalen Blick durch die Wohnung und einer kurzen Verschnaufpause ging es dann tatsächlich los. Die Sonne war zu dieser Uhrzeit noch nicht mal richtig aufgegangen, aber die Vorfreude hat alle Müdigkeit ziemlich schnell verdrängt.

    Der Plan, der keiner blieb

    Ursprünglich hatten wir uns überlegt, den ersten Stopp irgendwo in der Gegend von Nürnberg einzulegen – ein entspannter erster Reisetag, ein bisschen ankommen, sich an das Leben im Wohnmobil gewöhnen. Aber dann kam es anders. Wir waren gut in Fahrt, die Straßen liefen, die Stimmung war gut, und irgendwie hat sich niemand von uns nach einer Pause in Nürnberg gesehnt. Also sind wir einfach weitergefahren. Und weitergefahren. Bis nach Tirol.

    Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man merkt, dass der ursprüngliche Plan über Bord geworfen wird, weil sich gerade alles richtig anfühlt. Genau das macht für uns den Reiz am Reisen mit dem Wohnmobil aus: keine festen Buchungen, keine Deadlines, einfach fahren, solange es passt.

    Mit 4,5 Tonnen unterwegs

    Unser Wohnmobil, ein Adria Sonic Supreme, bringt stolze viereinhalb Tonnen auf die Waage. Das bedeutet: LKW-Zulassung, und damit dürfen wir auch nicht schneller fahren als ein LKW erlaubt. Klingt erstmal nach einem Nachteil, ist aber eigentlich ziemlich entspannend. Man gewöhnt sich schnell an das gemächlichere Tempo, lässt die Hektik der Autobahn einfach hinter sich und genießt stattdessen die Landschaft, die an einem vorbeizieht. Die Berge kamen langsam näher, erst als blasse Silhouette am Horizont, dann immer deutlicher und imposanter.

    Gefahren ist übrigens Thomas – ganz alleine, die komplette Strecke. Respekt an dieser Stelle, so ein Trip mit einem 4,5-Tonner ist kein Kindergeburtstag.

    Gina, die Reiseprofi

    Kaum saßen wir aber wirklich im Fahrzeug und die Räder rollten, wurde aus der aufgeregten Gina von heute Morgen eine völlig entspannte Mitfahrerin. Sie hat sich vorne zwischen uns zusammengerollt und quasi die komplette Strecke verschlafen – als würde sie das schon ihr ganzes Leben lang machen. Kein Winseln, kein Unruhig-Sein, einfach nur tiefe, zufriedene Hundeträume, während draußen die Kilometer vorbeizogen.

    Ankunft am Thiersee

    Eigentlich hatten wir gehofft, in Kufstein einen Stellplatz zu finden. Aber Fehlanzeige: In ganz Kufstein war kein einziger Platz mehr zu bekommen, alles ausgebucht. Etwas ratlos haben wir dann kurzerhand weitergeschaut – und sind so eher zufällig am Thiersee gelandet. Im Nachhinein war das der reinste Glücksgriff, denn besser hätten wir es kaum treffen können.

    Übernachtet haben wir schließlich am Thiersee, und ehrlich gesagt: Das war goldrichtig so. Als wir ankamen, ging gerade die Sonne unter, und das Licht über dem Wasser war einfach magisch.

    Der Thiersee selbst ist unglaublich idyllisch und entschleunigend – genau der Gegenentwurf zum Alltagstrubel, den wir eigentlich hinter uns lassen wollten. Rundherum gibt es ein paar wirklich schöne Gastronomie-Adressen direkt am Wasser, aber vor allem eines: Ruhe. Kein Stress, kein Lärm, einfach nur das sanfte Plätschern des Sees und die Berge ringsum.

    Nach der langen Fahrt sind wir noch schön am Wasser entlangspaziert, haben die Beine vertreten und die Stille genossen, die nur ein Bergsee am Abend haben kann. Genau das Richtige nach einem so ereignisreichen Tag.

    Bauernhof-Flair statt Zuhause-Kälte

    Der Thiersee hat einfach dieses gewisse Old-School-Flair – kein Trubel, keine Hektik, sondern echtes Bauernhof-Leben mit Kühen und jeder Menge Ruhe. Unseren Stellplatz für die Nacht hatten wir in der Nähe eines Bauernhofs gefunden – inklusive aller dazugehörigen „Vorzüge“, sprich: dem typischen, unverkennbaren Bauernhofgeruch. Aber es war herrlich warm, fast 30 Grad, während es zuhause zu dieser Jahreszeit noch richtig kalt war. Ein komplett anderes Flair als das, was wir gewohnt sind – genau danach hatten wir gesucht, als wir uns für diese Reise entschieden haben. Auf der Weide nebenan grasten ein paar Kühe, jede mit einer kleinen blauen Glocke um den Hals, die bei jeder Bewegung leise geklingelt hat – ein Geräusch, das man von zuhause einfach nicht kennt und das den Abend noch ein Stück idyllischer gemacht hat.

    Mit dem Rauschen der Bäume, dem sanften Klingeln der Kuhglocken und einer erschöpften, aber glücklichen Gina neben mir bin ich an unserem ersten Abend auf Reisen eingeschlafen. Ein Tag, der komplett anders verlaufen ist als geplant – und genau deshalb so schön war.


    Fortsetzung folgt mit Tag 2 unserer Reise!

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